15.05.2018

Schleicher: "So viele Hüte kann man gar nicht ziehen"

A-Liga Frankfurt Nordwest: Heddernheim nach einem Jahr zurück in der Kreisoberliga

Nach einem Jahr Abstinenz feiert die Mannschaft die Rückkehr in die Kreisoberliga. Foto: SV Heddernheim

Mit einem 11:1-Kantersieg gegen den Tabellenvierten FC Mainfeld hat der SV 07 Heddernheim am Sonntag einen Spieltag vor Saisonende die Meisterschaft in der Kreisliga A Frankfurt Nordwest klargemacht und kehrt so nur ein Jahr nach dem Abstieg in die Kreisoberliga Frankfurt zurück.

Nach 22 Jahren ununterbrochener Ligazugehörigkeit in der Kreisoberliga Frankfurt musste der SV Heddernheim im letzten Sommer den bitteren Gang in die A-Liga antreten. "Ich muss ganz ehrlich sagen, nach dem Abstieg war ich an einem absoluten Tiefpunkt. Da hinterfragt man sich auch. Was hätte man anders machen können?", gibt Klaus Schleicher unumwunden zu, macht aber darauf aufmerksam, dass "man in so einem kleinen Verein nicht so viele Möglichkeiten hat. Und das entspricht auch nicht unserer Philosophie." Doch nachdem ein Großteil der Mannschaft und Trainer Andreas Berggold - der den Verein im Januar 2017 übernommen hatte, den Abstieg aber nicht verhindern konnte - ihren Verbleib zugesagt hatten, fasste auch der Spielausschussvorsitzende neuen Mut.

"Es war ganz entscheidend, dass unser Trainer geblieben ist. Er ist mit bestem Beispiel vorangegangen und war von der ersten Sekunde an motiviert. Dadurch hat er alle mitgezogen", hat Schleicher ein großes Lob für seinen Übungsleiter übrig. Ein Großteil der Spieler schloss sich seinem Beispiel an. "Bis auf zwei Spieler aus dem Stamm der ersten Mannschaft hat uns keiner verlassen. Das ist schon außergewöhnlich und zeigt den Charakter der Jungs, dazu zu stehen, was sie verbockt haben." Zudem haben sich die jungen Spieler unter Berggold weiterentwickelt. "So viele Hüte wie nötig kann ich gar nicht ziehen", lobt Schleicher Trainer und Team gleichermaßen.

Wiederholungsspiel als Dosenöffner

Dementsprechend war die Zielsetzung auch der direkte Wiederaufstieg, wenn auch "nicht auf Teufel komm raus", wie der 63-Jährige klarstellt. "Wir haben eine ganz junge Mannschaft und nach einem Abstieg musst du den Hebel erstmal umlegen." Doch vom Start weg zeigte die Mannschaft, dass sie gewillt ist, den Betriebsunfall auszumerzen. Die ersten sechs Spiele wurden allesamt gewonnen. Erst am siebten Spieltag folgte mit dem 1:2 beim FC Maroc, der bis zum Schluss der ärgste Verfolger blieb, die erste Niederlage. Es sollten nur noch zwei weitere folgen. Nach insgesamt 28 Siegen stand nach dem 11:1 gegen den Tabellenvierten FC Mainfeld am Sonntag (Schleicher: "Das war schon ein Statement.") mit einem beeindruckenden Torverhältnis von 135:27 die Meisterschaft und der direkte Wiederaufstieg fest. "Die Saison war überragend. Da waren Spiele dabei, die waren genial", erinnert sich Schleicher zurück.

Entscheidend für die Meisterschaft war für den Spielausschussvorsitzenden das 9:0 im Wiederholungsspiel gegen den SV Bonames. Das Spiel musste wiederholt werden, da ein Spieler von Bonames beim Stand von 1:4 aus Sicht des SV Heddernheim die Gelb-Rote Karte gesehen hatte, ohne zuvor verwarnt worden zu sein. Das Spiel endete 4:4 und Bonames legte Einspruch ein. "Der Fehler lag ja nicht bei uns und das hat eine Trotzreaktion hervorgerufen", so Schleicher. "Das war der Punkt an dem man gesehen hat, der Meister kann nur SV 07 Heddernheim heißen."

Schleichers erste Meisterschaft nach 53 Jahren Fußballgeschäft

Für Schleicher selbst ist die Meisterschaft ein absolutes Highlight in seiner Fußballkarriere. Zuvor war ihm weder als Spieler, noch als Trainer oder Funktionär ein Meistertitel gelungen. Und es könnte gleich eine doppelte werden. Denn auch die zweite Mannschaft steht seit dem letzten Wochenende als Aufsteiger in die A-Liga fest und kann am letzten Spieltag auch noch Meister werden. "Das erlebt man nicht oft", freut sich der 63-Jährige.

Für die kommende Spielzeit, für die sowohl Trainer Berggold, als auch ein Großteil der Mannschaft an Bord bleiben werden, erhofft sich Schleicher den Klassenerhalt. "Nur das kann das Ziel sein. Wir sind uns absolut bewusst, dass es eine schwierige Saison wird, wenn man sieht, dass die schwächeren Teams aus der Liga absteigen und aus der Gruppenliga starke Mannschaften von oben kommen." Für dieses Unterfangen "können und wollen wir aber nicht groß investieren. Wir wollen uns mit zwei, drei Spielern gezielt verstärken. Mehr können wir uns nicht leisten." Dennoch besteht nach der überragenden Spielzeit in der A-Liga die Hoffnung, vielleicht eine neue Ära in der Kreisoberliga zu starten.

Autor: Daniel Bolz

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