11.06.2018

Trotz zwickendem Oberschenkel erfolgreich

Marcel Kopp als Spielertrainer im Blickpunkt

Marcel Kopp (am Ball) fällt auf dem Platz in seiner Rolle als Trainer nur selten auf. Foto: Steffen Turban

Wie verhält sich ein Spielertrainer vor einer Partie? Wie tritt er auf dem Platz auf? Wie hält er seine Ansprache an sein Team? Und kann er dabei überhaupt seine Leistung auf den Platz bringen? All diesen Fragen ist die "Torgranate Rhein-Main" nachgegangen und hat Marcel Kopp (Usinger TSG) beim Heimspiel gegen Eintracht Wald-Michelbach begleitet.

18.45 Uhr - Treffpunkt am Stadion in den Muckenäckern. Eine Stunde und 15 Minuten vor Spielbeginn. Spielertrainer Marcel Kopp säubert die Tafel in der Kabine, es läuft laute Musik. Dann bespricht er sich vor der Umkleide mit seinem Co-Trainer Ben Platt und gibt beim Abteilungsleiter Björn Werminghaus die Aufstellung durch. 19 Uhr - die Gäste reisen mit Verspätung an. Eine Panne am Bus war schuld. Nach einer kurzen Begrüßung gehen das Team und der Spielertrainer, dessen Spitzname "Koppi" ist, in die Umkleidekabine. Dort zieht sich der 29-Jährige um, ehe er seine erste Ansprache an die Spieler hält. Er steht vor ihnen, fokussiert sie und arbeitet mit Pausen, um seine Worte nachwirken zu lassen. "Wir haben sanft und erholsam trainiert die Woche. So das wir sagen, wir können heute alle Körner, die wir drin haben, raus feuern", beginnt Kopp seine Ansprache.

Am vorletzten Spieltag sollen die drei Punkte gegen Wald-Michelbach geholt werden, um den Klassenerhalt perfekt zu machen. Das soll über das Offensivspiel gelingen, die Defensive liegt der TSG nicht so sehr, das weiß auch Kopp. Während er redet, sorgt der Spielertrainer auch für Schmunzlern in den Gesichtern seiner Jungs. Vor allem an einer Stelle: "Nach vorne hin haben wir genug Qualität. Und einen Grund nenne ich euch, warum haben wir die Qualität, weil ich spielen werde." Dabei ging es ihm am Mittag noch nicht so gut. Einem Kollegen in der Firma, der für Viktoria Nidda spielt, sagte er noch, er wisse nicht, ob er am Abend überhaupt auflaufen kann. Der Oberschenkel zwickte. Eigentlich wollt er erstmal auf der Bank platz nehmen. Doch ein ausgiebiges Schläfchen und Wärme auf den Beinen sorgten dafür, dass er nun fit ist. Von Beginn an wird er also nun auf dem Platz stehen. Als Spieler und Trainer.

Zum Abschluss seiner Ansprache nennt Kopp die Aufstellung, bevor es zum Warmmachen auf den Kunstrasenplatz geht. Die ersten Zuschauer treffen ein. Während der gegnerische Coach, Ralf Ripperger, seinen Jungs die Übung einmal vormacht und diese dann alleine weitermachen, ist "Koppi" in seiner Rolle als Spieler. Er fällt unter den anderen in seiner besonderen Funktion gar nicht auf. Dann folgt noch eine letzte Einstimmung in der Umkleidekabine. Die Mannschaft bildet einen Kreis, die Arme sind übereinander gelegt. "Jungs, Fluchtlichtspiel, Freitagabend, 20:15 Uhr, da läuft der Sat1 Filmfilm, der RTL Blockbuster, wir können heute hier Geschichte schreiben und auch einen Blockbuster drehen. Letztes Jahr hier zuhause - 9:2, da gab es nur einen Sieger. Heute ist es genauso. Es kann nur einen Sieger geben. Warum? Weil wir die bessere Mannschaft sind", beschwört der Spielertrainer seine Akteure. Gemeinsam mit dem Schiedsrichtergespann und den Wald-Michelbachern geht es dann hoch zum Kunstrasenplatz.

Der Co-Trainer ist für Marcel Kopp sehr wichtig

Ansprache vor dem Spiel. Foto: Steffen Turban

Nun gilt es. 20:20 Uhr - der Anpfiff erfolgt und die Gäste eröffnen die Partie. Wenige Minuten später wird das Zwitschern der Vögel von dem Lärm auf dem Rasen überdeckt. Es wird wild durcheinander gerufen. Anweisungen von den Trainerbänken, von den Torhütern, nur einer bleibt still. Marcel Kopp selbst. Er verhält sich ruhig, während Unterbrechungen geht er auf seine Jungs zu, gibt taktische Anweisungen. Und er tut das, was seine Aufgabe als Stürmer ist: Tore schießen. Gegen Wald-Michelbach trifft er gleich zweimal. Alle jubeln. Und von der Seitenlinie erhält "Koppi" Lob von seinem Co-Trainer. "Als Spielertrainer muss man sich auf seinen Co-Trainer hundert Prozentig verlassen können. Das funktioniert bei uns wirklich sehr, sehr gut", äußerte sich Kopp nach dem Spiel zu seinem Co-Trainer Ben Platt.

Es läuft gut für die Usinger. Erst in der 39. Minute wird der Spielertrainer das erste Mal laut und regt sich über eine Schiedsrichterentscheidung auf. Auch in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs beschwert er sich, dann ertönt der Pausenpfiff des Schiedsrichters. 21:14 Uhr - Kopp hält seine Halbzeitansprache. "Jungs, wir machen das gut in der ersten Halbzeit, ja, wir machen es wirklich gut. Wir sind im Spiel drin, in den Zweikämpfen drin. Das sieht wirklich gut aus und deswegen führen wir auch 2:0. Aber wir dürfen keinen Zentimeter Luft lassen", sagt er zu Beginn. Es folgen taktischen Anweisungen, auch der Co-Trainer äußert sich, ehe es wieder raus geht. 21:26 Uhr - die zweite Hälfte wird angepfiffen.

Als Trainer bleibt Kopp ruhig und als Spieler wird er immer wieder gefährlich. Das 3:0 bereitet er für seinen Sturmpartner Nico Wenzel vor (67.). Daraufhin werden die ersten Wechsel vorgenommen. "Koppi" entscheidet kurzfristig welcher Akteur das Feld verlassen soll. Der Spielertrainer und sein Co-Trainer sind sich einig, wer ersetzt werden soll. Zehn Minuten nach dem 3:0 erzielen die Gäste aus Wald-Michelbach das Anschlusstor. Es folgen bei Usingen zwei weitere Auswechslungen. In der Nachspielzeit dann das 4:1 durch Max Miot-Paschke (90.+1). Wieder leistet der stürmende Trainer die Vorarbeit. Kurz darauf pfeift der Unparteiische ab. Kopp verabschiedet sich beim Schiedsrichter und beim gegnerischen Coach aus Wald-Michelbach. Er ist erleichtert, dass seine Mannschaft den Klassenerhalt geschafft hat. Doch die Beine sind schwer, er wird heute Nacht sicherlich gut schlafen können. Zuerst einmal ist aber feiern angesagt. Mit allen Verantwortlichen auf dem Platz. Dann werden die Fragen der wartenden Pressevertreter beantwortet, ehe er duschen kann. Zum Abschluss des Abends gönnt sich "Koppi" ein Bier - das hat er sich heute auch verdient.

Autor: Selina Eckstein

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