10.06.2018

Cimen: "Man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist"

Zaungast beim letzten Auftritt des ehemaligen Bundesligaprofis

Daniyel Cimen (links) wurde nach der Partie gemeinsam mit Teamkollege Adrian Bothor verabschiedet. Foto: Patrick Scheiber

Irgendwann geht jeder Lebensabschnitt zu Ende. So auch bei Daniyel Cimen, der seine Karriere als aktiver Fußballer im letzten Saisonspiel seines Vereins Hanau 93 an der heimischen Kastanienallee beendet hat und sich fortan vollends auf seine Trainerkarriere beim FC Gießen konzentrieren möchte.

Sonntagabend, 16.30 Uhr. Noch eine Stunde bis zum letzten Spiel von Daniyel Cimen. Für den 1. Hanauer FC 1893 - den Verein, für den er fünf Jahre die Schuhe geschnürt hat - steht das Derby gegen den Stadtrivalen SC 1960 Hanau an. Die Luft flimmert bei schwülen Temperaturen um die 30 Grad und Cimen nimmt sich die Zeit, um mit mir über seine Gefühlslage vor seinen finalen 90 Minuten zu sprechen. "Der Gedanke an mein letztes Spiel macht mich nicht unbedingt traurig. Ich habe es mir ja selbst ausgesucht", berichtet der 33-jährige ehemalige Bundesligaprofi der Frankfurter Eintracht nüchtern.

Ganz anders ergeht es da Hanaus Sportlichem Leiter Giovanni Fallacara, der Cimen seinerzeit zu den 93ern geholt und den Klub mit ihm gemeinsam vom Tabellenende der Kreisoberliga bis in die Spitze der Verbandsliga Süd geführt hat. "Ich bin heute sehr traurig. Daniyel war ein Spieler, wie man sich ihn wünscht. Auf und neben dem Platz. Wir haben es heute beendet, wie wir es damals begonnen haben. Mit einem gemeinsamen Mittagessen."

Cimen unterstreicht die besondere Bedeutung des Vereins für ihn. "Es waren fast fünf Jahre hier in Hanau. Alleine das macht es besonders. Die Fans sind besonders. Ich habe mich damals für die frühe Trainerkarriere mit 27 Jahren entschlossen und wollte einfach nur noch ein bisschen kicken. Es waren schwierige Zeiten. Aber Giovanni und unser damaliger Trainer Antonio Abbruzzese haben alles in die richtigen Bahnen geleitet. Das freut mich sehr für den Verein und die Fans. Jetzt sind wir Dritter in der Verbandsliga und haben den Pokal gewonnen. Man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist."

Schön waren einige Momente in seiner Karriere. An einen erinnert er sich besonders gerne. Nämlich an das Pokalfinale 2006, als er in Berlin mit der Eintracht auf Bayern München getroffen ist. "Gerade weil es ja in diesem Jahr wieder dieses Spiel gab, wird man natürlich daran erinnert. Das war ein Ereignis, an das man gerne zurückdenkt. Ich kann mich eigentlich an alles erinnern", beschreibt der Innenverteidiger ein Karrierehighlight.

Diese Banner bekamen Cimen und Bothor zum Abschied. Foto: Patrick Scheiber

Dann verabschiedet er sich. Das Warmmachprogramm steht an. Zum letzten Mal. "Eine besondere Marotte habe ich nicht", so Cimen. "Ich höre vor dem Spiel gerne Musik und gehe da noch einmal in mich. Jetzt freue ich mich auf die 90 Minuten." Und so verschwindet er in der Kabine. Während der Partie ist dem früheren Frankfurter keine Wehmut anzumerken. Routiniert steht er in der Viererkette. Beide Mannschaften liefern beim 5:3 ein wahres Spektakel ab mit dem besseren Ausgang für die Heimelf.

Nach dem Spiel wird es noch einmal emotional. Cimen wird gemeinsam mit seinem langjährigen Teamkollegen Adrian Bothor von Fallacara verabschiedet. Zum Abschluss bekommt er sein Trikot und einen Banner mit Bildern aus seiner Zeit beim Traditionsverein. Fans und Mannschaft skandieren seinen Namen. Ein "Danke Cimen"-Plakat wird in die Höhe gehalten und Cimens Nachwuchs verabschiedet sich gemeinsam mit dem Vater von den Fans. "Das Banner war eine Riesenüberraschung", freut sich der 33-Jährige über sein Geschenk. Danach winkt er noch einmal in die Runde und verschwindet in der Kabine. Das Kapitel "Aktiver Fußball" ist für ihn beendet.

Autor: Daniel Bolz

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