20.04.2018

Lippert: "Müssen jetzt ein Zeichen setzen"

Jugendfußball: Schiedsrichter-Streik am Wochenende

Foto: Charlie Rolff

Im Frankfurter Jugendfußball rumort es derzeit gewaltig. Nachdem ein Schiedsrichter am 11. April blutig geschlagen wurde, möchte der Kreisschiedsrichterausschuss am Wochenende ein Zeichen setzen und hat deswegen alle Schiedsrichter für den Juniorenspielbetrieb zurückgezogen. Der Frankfurter Kreisfußballwart Rainer Nagel und der Kreisjugendwart Michael Mehrer lehnen den angekündigten Streik kategorisch ab.

Kreischiedsrichterobmann Matthias Lippert hält die umstrittene Maßnahme jedoch für unbedingt erforderlich und erklärt: "Das ist ein schwellender Prozess, denn der jüngste Vorfall ist nur das i-Tüpfelchen. Seit zwei, drei Jahren werden Schiedsrichter im Jugendbetrieb attackiert oder beleidigt. Jetzt ist das Fass zum Überlaufen gebracht worden. Jetzt müssen wir ein Zeichen setzen und Stop sagen."

Der Frankfurter Kreis sei der einzige in Hessen, in dem die Zahl der aktiven Schiedsrichter kontinuierlich steige. Momentan gibt es 330 aktive Frankfurter Unparteiische. "Wenige Vereine machen unsere Arbeit kaputt", beklagt Lippert. Gerade ganz junge Schiedsrichter seien in letzter Zeit wieder abgesprungen, obwohl diese Neulinge von sogenannten Mentoren bei ihren Einsätzen begleitet werden. "Selbst ganz junge Schiedsrichter werden von Trainern, Spielern oder Zuschauern beleidigt und bedroht. Da bekommen sie es mit der Angst zu tun und verlieren die Motivation", schildert Lippert die Problematik.

Gebetsmühlenartig wiederholt der Funktionär seit Jahren seinen Standpunkt auf den Sitzungen der Vereine und wird offenbar von einer bestimmten Klientel nicht verstanden. "Wir setzen jetzt ein Zeichen und ziehen unsere Schiedsrichter zurück. Damit senden wir ein Signal an die Vereine, dass wir Randale dieser Art nicht mehr dulden", erklärt der Obmann. Dass der Streik nicht überall gut ankommt, ist Lippert bewusst: "Dass es Diskrepanzen und Kontroversen gibt, ist doch klar. Die Vereine müssen nun agieren und ihre Trainer und Spieler erziehen. Das Verhalten auf dem Sportplatz spiegelt letztlich die Gesellschaft wider", so Lippert.

Besonders ärgerlich sei, dass der Gewalttäter, der in einem B-Jugendspiel den Schiedsrichter anging, kein Unbekannter ist. "Er hatte vor kurzem eine Sperre von zehn Spielen abgesessen und gehört nun lebenslang gesperrt", fordert Lippert und betont: "Eben ist Schluss mit Lustig. Wo bleibt der Respekt vor dem Schiedsrichter?"

Angedrohte Strafe wirkungslos und in der Satzung nicht vorgesehen

Für Kreisjugendwart Michael Mehrer werden durch den Streik "alle Vereine über einen Kamm geschert. Es gibt schwarze Schafe, aber deswegen alle Vereine zu bestrafen, halte ich für extrem übertrieben. Eher sollten die Strafen für die Täter härter ausfallen." Die angedrohte Strafe für Schiedsrichter, die ihre Ansetzungen wahrnehmen wollen und sich nicht am Streik beteiligen, sei wirkungslos und in der Satzung nicht vorgesehen. Bleibe der Schiedsrichter aus, müsse der Heimverein einen Ersatz benennen, der das Spiel mit Einverständnis des Gastvereins pfeifen dürfe. Mehrer selbst wird dem Streik aktiv entgegen treten und hat sich bereit erklärt, das Spitzenspiel der E1-Jugend zwischen dem SV Blau-Gelb und dem SV 07 Heddernheim höchstpersönlich zu leiten.

Auch Kreisfußballwart Rainer Nagel hat sich zum Sachverhalt, der ein Novum im Frankfurter Fußball darstellt, geäußert: "Warum sollen andere Vereine in Mitleidenschaft gezogen werden, weil bei ein paar Klubs in sozialen Brennpunkten einigen durchgeknallten Spielern die Sicherungen durchbrennen? Diese schwarzen Schafe gilt es zu bestrafen. Wir sind mit der Bestrafung des ganzen Kreises wegen ein paar Vereinen (Spielern), die aus der Reihe tanzen, nicht einverstanden. 90 Prozent aller jugendtreibenden Vereine bewegen sich ausnahmslos im Rahmen der vorgegebenen Satzungen des HFV, Deshalb ist eine komplette Absage nicht vonnöten und völlig sinnlos", argumentiert Nagel.

Und auch aus der Basis gibt es Widerstand: Eine Jugendleiterin, die namentlich nicht genannt werden will, schreibt in einem Rundbrief: "Wenn es im Fußball um Werte, Respekt und Fairness gehen soll, dann kann man es nicht durch einen Streik erwirken. Schon gar nicht weicht man die Fronten auf, indem man Schiris unter Androhung von Strafen verbietet, ihre Ansetzungen wahrzunehmen."

Autor: Pedro Acebes

Kommentieren

Vermarktung: