18.04.2018

"Zusammen zu spielen macht mega Spaß"

Gruppenliga Frankfurt West: Troll-Brüder im Interview

Niklas (rechts) und Marius Troll verstehen sich blind. Foto: Sean Lynch

Platz zwei in der laufenden Saison, dazu das anstehende Kreispokalfinale. Die SG Bornheim steht nach den guten Leistungen der letzten Monate vor der besten Saison der Vereinsgeschichte. Immer mit von der Partie sind Niklas und Marius Troll, die in Bornheim eines von drei Brüderpaaren bilden.

Die meisten Interessenten der Liga sind sich einig, dass die SG Bornheim über den breitesten Kader aller Mannschaften verfügt. Der aktuelle Erfolg in der laufenden Runde trägt also viele Namen. Zwei Gesichter des Erfolgs sind jedoch zweifellos die Gebrüder Troll. Kapitän Niklas (28) spielt seit 24 Jahren ununterbrochen für die SG, sein jüngerer Bruder Marius (25), ebenfalls ein Eigengewächs, hat nach einigen Zwischenstationen im vergangenen Winter den Weg nach Bornheim zurückgefunden. Im Interview erklären die Offensivakteure unter anderem ihr blindes Verständnis auf dem Platz miteinander und loben die familiäre Atmosphäre im Verein.

Ihr seid beides Eigengewächse des Vereins. Seit wann spielt ihr für die SG Bornheim?

Niklas: "Seit ich vier Jahre alt bin, spiele ich in Bornheim und war noch nie woanders.“

Marius: "Die SG ist mein Heimatverein, hier habe ich angefangen, Fußball zu spielen. Nach Stationen in Karben, Kelsterbach, Bad Vilbel und Unterliederbach spiele ich seit dem Winter 2017 wieder in Bornheim.“

Wie kann das Gefühl beschrieben werden, als Brüder gemeinsam auf dem Platz zu stehen? Gab es von Anfang an ein blindes Verständnis zwischen euch?

Marius: "Mit meinem Bruder zusammen zu spielen macht mega Spaß. Auf dem Platz hatten wir sofort ein blindes Verständnis. Wir waren früher gegenseitig beim jeweils anderen zugucken. Meine Laufwege kannte er also schon vorher. Dass es jetzt in der Umsetzung auch so gut klappt, ist umso erfreulicher.“

Niklas: "Es macht mega Spaß. Wir beide verstehen uns auf und auch neben dem Platz. Das blinde Verständnis war schon da. Es war nicht so, wie wenn man mit jemandem schon zehn Jahre zusammenspielt, aber mittlerweile haben wir uns gegenseitig schon ein paar Tore vorbereitet.“

Niklas ist sowohl der Ältere von euch als auch der Kapitän der Mannschaft. Ist auf dem Platz die Beziehung zwischen euch beiden strenger im Vergleich zu anderen Teamkollegen?

Niklas: "In der Hinsicht ist er genau wie jeder andere Mitspieler. Ich nehme Hinweise von ihm auch genauso an wie von jedem anderen.“

Marius: "Mein Bruder kennt mich bestens. Deshalb weiß er auch genau, wo meine Stärken und Schwächen liegen und wie er am besten damit umgeht. Dass er streng ist, würde ich nicht sagen. Er versucht mich zu motivieren, wenn mal etwas nicht so gut funktioniert.“

Wie weit spielt das Thema Fußball in eurer Familie eine Rolle?

Marius: "Nicht nur mein Bruder spielt bei der SG. Auch mein Vater hat hier früher Fußball gespielt, war Jugendtrainer und sponsert nun im Verein das ein oder andere Mal. Mein Onkel ist ebenfalls Jugendtrainer in Bornheim und mein Cousin hat im Sommer angefangen, bei den ganz kleinen Fußball zu spielen. Da war es für mich eine Herzensangelegenheit zurückzukommen.“

Niklas: "Unsere Eltern, unsere Großeltern und unser Onkel kommen regelmäßig zu den Spielen. Bei uns sind generell die meisten Zuschauer, Freunde oder Familienangehörige. Hätten wir beim 6:0-Sieg gegen Kalbach keine Zuschauer gehabt, wäre das Spiel wohl nicht so gelaufen, wie es gelaufen ist. Wir sind natürlich froh, dass so viele Leute kommen, uns vor dem Spiel per Handschlag begrüßen und uns während des Spiels unterstützen.“

Viele sind sich einig, dass die Atmosphäre im Verein ein Grund dafür ist, dass mancher Spieler nicht in eine höhere Liga wechselt. Was müsste passieren, damit ihr die SG verlasst...?

Niklas: "Dass ich den Verein verlasse, wird wohl nie passieren. Ich bin jemand, der mit so gut wie jedem Menschen und jedem Trainer klarkommt. Von daher gibt es keinen Grund, den Verein zu verlassen. Viele Spieler könnten bei uns auch höher spielen, nicht nur unsere Verbandsliga-Neuzugänge Mario Marx und Simon Horn. Wir wissen aber alle, was wir am Verein haben. Viele Spieler, die in der Vergangenheit gewechselt sind, wollten nach ein oder zwei Jahren wieder zurück.“

Marius: "Da kann ich nur zustimmen. Wir sind wie eine große Familie. Jeder unterstützt hier jeden. Für mich war immer klar, dass ich nach meinem Studium zurück zur SG gehe und dort bleibe.“

Wie seht ihr generell den Verein in den nächsten Jahren aufgestellt. Wo kann die SG Bornheim in fünf Jahren stehen?

Niklas: "Wir haben natürlich keinen großen Geldgeber wie andere Vereine und sind im Vergleich sehr sparsam. Da können wir mit anderen nicht mithalten. Wir spielen jetzt seit acht Jahren in der Gruppenliga und lagen immer zwischen Platz drei und acht. Für den Aufstieg hat es nie wirklich gereicht. Es wäre natürlich schön, wenn es mal klappen würde. Ich denke, dass wir das Potenzial hätten, die Klasse in der Verbandsliga zu halten.“

Marius: "Der Verein ist generell gut aufgestellt. Wir haben eine gute Jugend, die zum Großteil von Spielern aus dem Seniorenbereich trainiert wird. Es kommen immer wieder Jugendspieler nach, die den Sprung in die erste Mannschaft packen. Wenn man einen Blick auf unsere Mannschaft wirft, kann man erkennen, dass nur wenige Spieler nicht in der Bornheimer Jugend gespielt haben. Deswegen sehe ich uns auch in fünf Jahren mindestens in der Gruppenliga. Bei einem Aufstieg in die Verbandsliga und einem darauffolgenden Abstieg würde unsre Mannschaft trotzdem zusammenbleiben.“

Ihr wart vor der Saison sehr offen mit euren Aufstiegsambitionen. Nun seid ihr im Fünfkampf um die beiden Aufstiegsplätze. Wie seht ihr eure Chancen?

Marius: "Ich denke, wir haben sehr gute Chancen auf den Aufstieg. Mario Marx wird uns leider im Endspurt der Saison verletzungsbedingt fehlen. Ich stehe urlaubsbedingt bis Anfang Mai ebenfalls nicht zur Verfügung. Durch unseren breiten Kader ist das aber kein Problem, da wir auf jeder Position doppelt oder dreifach besetzt sind.“

Niklas: "Es ist noch alles drin und wir können es aus eigener Kraft schaffen. Es gibt an der Spitze noch viele direkte Duelle und es wird bis zum allerletzen Spieltag einen heißen Kampf geben. Ich denke nicht, dass eine der fünf Mannschaften noch abfallen wird. Aber auch Kalbach ist noch nicht zu 100 Prozent durch, so wie es vor drei Wochen noch jeder dachte. Ich freue mich auf jeden Fall auf den Endspurt.“


(sly)

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