20.12.2017

torgranate-Analyse: SC Hessen Dreieich

Titelverteidigung angestrebt/Aufstiegsrecht soll diesmal wahrgenommen werden

Neuzugang Andre Fliess schlug beim SC Hessen Dreieich voll ein. Foto: Patrick Scheiber

Die Winterpause bietet Zeit zum Reflektieren. Auch bei uns: Wir haben uns die Hessenligisten aus dem Rhein-Main-Gebiet für eine kleine Analyse zur Brust genommen. Heute ist der SC Hessen Dreieich an der Reihe.

So lief die bisherige Runde:

Der Hessenliga-Meister startete schleppend in die neue Spielrunde und kam gegen den FC Ederbergland im ersten Spiel über ein enttäuschendes 0:0 nicht hinaus. Gegen den TSV Lehnerz setzte es im Sportpark Dreieich sogar eine 1:2-Niederlage. Cheftrainer Rudi Bommer haderte schon zu Saisonbeginn mit dem kuriosen Spielplan. denn das Gastspiel am zweiten Spieltag bei Borussia Fulda musste wegen Bauarbeiten am städtischen Stadion in den Februar 2018 verschoben werden. Nach dem schnellen "Rückspiel" beim FC Ederbergland, wo mit dem 1:0-Sieg der erste Dreier gelang, hatten die "Hessen" erstmal turnusgemäß spielfrei. So hinkte Dreieich gleich zu Beginn der Konkurrenz um zwei Spiele hinterher und fand sich zunächst nur im Tabellenmittelfeld wieder. Bis Mitte Oktober zeigte Hessen Dreieich dann seine wahre Leistungsstärke und startete eine Serie von neun Siegen in Folge, erst mit dem 1:1-Ausgleich von Hadamars Jann Bangert gestoppt wurde.

Die kleine Negativserie von drei Spielen ohne Sieg mit den Unentschieden in Hadamar und gegen Alzenau, sowie der 1:2-Niederlage gegen Watzenborn-Steinberg wurde schnell überwunden und danach folgten fünf Siege in Folge für die Bommer-Truppe mit beeindruckenden 22:1 Toren. Mit dem 4:0-Sieg beim TSV Lehnerz enthronten die Dreieicher die Osthessen als Spitzenreiter. Trotz der abschließenden 0:2-Niederlage in Watzenborn-Steinberg geht der SC Hessen als Spitzenreiter mit drei Punkten Vorsprung auf den SC Waldgirmes in die Winterpause, hat aber ein Spiel weniger als die Lahnauer ausgetragen.

So haben die Neuzugänge eingeschlagen:

Andre Fliess: Der Wunschspieler von Trainer Rudi Bommer hat absolut eingeschlagen und füllte die Lücke durch den verletzungsbedingten Ausfall von Spielgestalter Toni Reljic absolut aus. Mit zehn Toren zudem sehr torgefährlich.

Carlos McCrary: Der aus Seligenstadt gekommene US-Amerikaner konnte die Vorbereitung kaum mitmachen, weil er an der Schulter verletzt war. Kam nur unregelmäßig zum Einsatz und war hinter Torjäger Tino Lagator meist nur zweite Wahl.

Nikola Mladenovic: Ganz anders der zweite Ex-Seligenstädter, der sich im defensiven Mittelfeld festgespielt hat und dort bislang zu überzeugen wusste.

Pierre Kleinheider: Nachdem die "Hessen" in der Vorsaison auf der Torwartposition keine klare Nummer eins hatten, schlug der vom Chemnitzer FC aus der 3. Liga gekommene Kleinheider voll ein und war die unumstrittene Nummer eins. Mit bislang nur zwölf Gegentoren in 20 Spielen hat der 28-jährige die wenigsten der Liga kassiert.

Marc Schnier: Vom profierfahrenen Außenbahnspieler hatte sich Dreieich etwas mehr erhofft als zwei Tore in 17 Spielen. Lässt seine Klasse immer mal wieder aufblitzen, spielt aber insgesamt zu unbeständig.

Mike Wroblewski: Dritter Neuzugang aus Seligenstadt. Kam nur in den Pokalwettbewerben zum Einsatz. Klare Nummer zwei hinter Kleinheider.

Tim Fliess: Verpasste aufgrund einer Roten Karte einige Spiele, ansonsten in der Innenverteidigung gesetzt. Trug seinen Teil zur defensiven Stabilität bei.

Leon Hammel: Machte auch aufgrund von Verletzungen nur zwei Spiele, von daher nicht zu bewerten.

In Erinnerung bleibt:

Die beiden 7:0-Heimsiege gegen die Aufsteiger SC Waldgirmes und VfB Ginsheim, in denen die Dreieicher ihre Überlegenheit voll ausspielten, sowie der 4:0-Triumph beim TSV Lehnerz, der noch viel höher hätte ausfallen können. Verärgert waren die Dreieicher schon zu Beginn der Saison über den vom Verband zugeteilten "Derbygegner" FC Ederbergland. Vor allem Chefcoach Rudi Bommer prägte den Satz "Nichts gegen Ederbergland, aber..." Der SC Hessen hätte sich statt den biederen Nordhessen einen Gegner wie Neu-Isenburg oder Rot-Weiss Frankfurt für die Derbywochen gewünscht.

Das bestätigte auch die Zuschauerresonanz am 1. September im Nachbarschaftsduell zwischen Neu-Isenburg und Dreieich, als 1050 Zuschauer an einem Freitagabend in den Sportpark pilgerten. Ein Dorn im Auge waren dem Ex-Profi auch die Spieltage an den Dienstagsfeiertagen im Oktober sowie die Hessenpokal-Ansetzungen unter der Woche. Immer wieder wurde diese Problematik von Bommer angesprochen, wobei sich der ehemalige Bundesliga-Spieler fragte, warum die nord- und osthessischen Klubs deutlich weniger englische Wochen zu absolvieren hatten.

Ausblick:

Der SC Hessen Dreieich hat das Potenzial, um den Meistertitel aus der vergangenen Saison zu verteidigen. Anders als im Vorjahr würden die Sprendlinger diesmal das Aufstiegsrecht in die Regionalliga Südwest wahrnehmen. Um die Auflagen für die 4. Liga zu erfüllen, ist ein gesonderter Zufahrtsweg für den abgetrennten Gästeblock unabdingbar. Im Gespräch ist auch, für die sogenannten Risikospiele an den Bornheimer Hang umzuziehen. Bis dahin sind aber noch zwölf Spiele zu absolvieren, in denen der SC Hessen stark genug sein sollte, fünf Jahre nach seiner Gründung die vierte Spielklasse zu erreichen.

Autor: Pedro Acebes

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